Steuerzahler finanzieren Callcenter 
Ob Handyverträge, Lotterielose, Zeitungen oder Strom, der Verkauf per Telefon (Telefonverkauf) hat in den letzten Jahren rasant zugelegt. Oft getarnt als Umfrage, gehen Callcenter auf Kundenfang. Die Bezahlung in dieser dubiosen Branche ist teilweise so schlecht, das die Mitarbeiter Unterstützung vom Staat, also vom Steuerzahler, benötigen.

Die Bundestagsfraktion Die Linke wollte es genauer wissen und hat in einer Kleinen Anfrage die Bundesregierung um Aufklärung gebeten. Die interessantesten Fragen und deren Beantwortung hier in einer Zusammenfassung.

Wie hoch war im vergangenen Jahr die Zahl und der Anteil der Callcenter-Beschäftigten, die aufstockende Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozial gesetzbuch (SGB II) bezogen, und wie lauten die Vergleichszahlen der Gesamtwirtschaft?

Im Juni 2012 arbeiteten 5 467 Arbeitslosengeld-II-Bezieher mit Einkommen aus sozialversicherungspflichtiger und 460 mit Einkommen aus geringfügiger Beschäftigung in der Callcenter-Branche. Das waren 5,4 Prozent aller sozialversicherungspflichtig und 7,6 Prozent aller geringfügig Beschäftigten in dieser Branche.


Wie hoch waren im vergangenen Jahr die Ausgaben für aufstockende Leistungen der Callcenter-Beschäftigten insgesamt und durchschnittlich je Erwerbstätigen (soweit noch keine Jahreszahl verfügbar ist, bitte einen gleitenden Jahreszeitraum oder notfalls Monatsdaten nennen)?

Ergebnisse liegen auf Jahresbasis bis 2011 vor. Danach gab es im Jahr 2011 jahresdurchschnittlich 5 069 Bedarfsgemeinschaften mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig beschäftigten und 593 mit mindestens einem geringfügig beschäftigten Arbeitslosengeld-II-Bezieher in der Callcenter-Branche. Die Zahlungsansprüche dieser Bedarfsgemeinschaften beliefen sich im Durchschnitt auf monatlich 439 Euro bzw. 838 Euro und in der Jahressumme auf 26,7 Mio. bzw. 6 Mio. Euro.


Wie hoch lag in den vergangenen Jahren die Fluktuationsrate in der Callcenter-Branche, und wie hoch in der Gesamtwirtschaft? Wie erklärt sich die Bundesregierung mögliche Unterschiede, und welche Rolle spielen dabei die Arbeitsbedingungen?

Bezieht man die hälftige Summe (Durchschnitt) der begonnenen und beendeten Beschäftigungsverhältnisse auf den durchschnittlichen Bestand an Beschäftigten, so ergibt sich für das Jahr 2011 in der Callcenter-Branche eine Quote von 50,2 Prozent und über alle Branchen eine Quote von 27,7 Prozent. Im Vergleich zu 2008 hat die Rate in der Callcenter-Branche um 6,4 Prozentpunkte abgenommen, während sie über alle Branchen unverändert blieb


Welche Chancen sieht die Bundesregierung, noch in dieser Legislaturperiode zu einem tariflichen Branchenmindestlohn zu kommen? Welche Schritte will sie gegebenenfalls unternehmen, um den Prozess dafür zu unterstützen?

Initiativen innerhalb der Callcenter-Branche für einen tariflichen Branchenmindestlohn sind der Bundesregierung nicht bekannt. Damit fehlt eine notwendige Voraussetzung für das Zustandekommen eines tariflichen Branchenmindestlohns.


Ist es richtig, dass die Bundesregierung nach dem MiArbG selbst ein Mindestlohnverfahren einleiten bzw. initiieren kann (vgl. § 3 MiArbG)? Wenn ja, will sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, und wie begründet sie ihre Antwort?

Es ist zutreffend, dass nach § 3 Absatz 2 des Mindestarbeitsbedingungengeset zes die Bundesregierung ebenso wie jede Landesregierung die Möglichkeit hat, dem Hauptausschuss Vorschläge für die Festsetzung von Mindestarbeitsentgelten zu machen. Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass Mindestlöhne nur in solchen Branchen erlassen werden sollen, in denen die Sozialpartner Handlungsbedarf sehen. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände haben die Möglichkeit, über ihre Spitzenorganisationen dem Hauptausschuss Vorschläge zur Festsetzung von Mindestarbeitsentgelten zu unterbreiten. Ein entsprechender Vorschlag der dbb tarifunion fand im Hauptausschuss keine Mehrheit.

Es ist sicherlich keine Übertreibung, wenn man dies als subventionierte Ausbeutung bezeichnet. Alle Fragen, Antworten und weitere Informationen gibt es hier im PDF-Format.


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