Krank durch Fracking? 
Befürworter und Gegner einer Technologie neigen fast immer zu einer extremen Argumentation. Die Wahrheit liegt meist, mit Tendenz in die eine oder andere Richtung, in der Mitte.

Die Energieversorgung ist das A und O einer Gesellschaft. Ohne Energie funktioniert eine Gesellschaft nicht. Eine banale Erkenntnis, die aber zu oft vergessen wird. Jede Form der Energiegewinnung birgt Risiken, egal ob Kohleabbau, Kernkraft, Erdgas, Erdöl, Wasser- und Windkraft etc.

Energiegewinnung hat immer einen Eingriff in die Natur und in Lebensbereiche von Menschen zur Folge. Eine seriöse Risikofolgenabschätzung unter Berücksichtigung der Pro- und Contra-Argumente, aber auch von Studien von unabhängigen Instituten bei gleichzeitiger umfänglicher Information der betroffenen Bürger ist notwendig. In der Realität passiert dies aber eher selten.

Wo immer Profite winken, wird versucht werden, diese zu realisieren und das mit möglichst geringem Einsatz. Dieses ökonomische Prinzip geht aber oft zu Lasten der Sicherheit eines Verfahrens, um es mal allgemein zu formulieren.

Was ist Fracking?

Mit Fracking wird ein Verfahren bezeichnet, mit dem so genannte unkonventionelle Öl- und Gasvorkommen in Schiefergestein (Sandstein, Tonstein, Schiefer) gefördert werden kann (Schiefergas, Schieferöl). Vor einer Förderung werden umfangreiche seismologische Messungen und Untersuchungen vorgenommen. Bei Aussicht auf Erfolg werden Probebohrungen durchgeführt. Dabei werden unter hohem Druck Wasser, Sand und Chemikalien in 1000 – 2000m Tiefe in das Gestein gepresst, damit sich im Gestein Risse bilden um an den in den dortigen Zwischenräumen lagernden Rohstoff zu gelangen. Eine Schematische Darstellung verdeutlicht den Ablauf.



Vorkommen

In Deutschland sollen zwischen 7 bis 24 Billionen Kubikmeter Schiefergas vorhanden sein. Die förderbare Menge könnte Deutschlands Gasbedarf für 10 – 20 Jahre decken. Aber auch in anderen europäischen Ländern sind nennenswerte Vorkommen. Enorme Vorkommen liegen in China, Argentinien, Kanada und in den USA.

In den USA gibt es geradezu einen Schiefergasboom, der den Gaspreis deutlich fallen ließ und auch zu günstigen Strompreisen führte. Hier ein Auszug aus dem Wirtschaftsblatt vom 27.05.2013.

Schiefergas-Boom in den USA erhält erste Dämpfer

Die Erwartungen an die Öl- und Gasproduktion aus Schiefergestein können in den USA noch so hoch sein, seit Jahren werden sie regelmäßig übertroffen. Immer wieder werden Förderprognosen in den Schatten gestellt, Goldgräberstimmung hat die Industrie erfasst. Der Energiemarkt in den USA und auch weltweit steht damit vor massiven Umwälzungen.

Schließlich gelingt es mit neuen Technologien wie dem in Deutschland umstrittenen Fracking, dem Boden Rohstoffe aus bisher unzugänglichen Lagerstätten zu entlocken. Der Boom hat in den USA bereits zu sinkenden Gas- und Strompreisen geführt.

Das Land dürfte der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge Russland 2015 bei der Gas-Förderung überholen, zwei Jahre darauf Saudi-Arabien bei der Öl-Produktion überflügeln und 2035 von Energie-Importen unabhängig sein.


wirtschaftsblatt.at

Der US-Bundesstaat Pennsylvania wird schon als „Saudi-Arabien der USA“ bezeichnet. Dabei steht die die Erkundung von Schiefergas- und Schieferölvorkommen erst am Anfang.

Risiken

Hauptrisiko ist die Verseuchung des Grundwassers durch die im Frackingfluid verwendeten Chemikalien. Ca. 50 % des in den Boden gepressten Bohrwassers können entsorgt werden. Doch wie verhält sich der Rest? Langzeiterfahrungen gibt es noch nicht. Von den Befürwortern wird dieses Risiko kleingeredet. War auch nicht anders zu erwarten. Von Gegnern werden aber Belege gebracht. Belege, die nicht von der Hand zu weisen sind. Aber auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hält das Risiko für gering, wie sie in einer Potenzialanalyse von Mai 2012 schreibt.

Schiefergaspotenzial in Deutschland

Dabei ist die Grundwasserverschmutzung durch die Chemikalien, die auch karzinogene Substanzen enthalten können, nur ein Punkt. Eine weitere Gefahr geht vom Ausschwemmen durch das Bohrwasser von im Gestein enthaltenen Schwermetallen aus.

Wurde nicht noch vor kurzer Zeit behauptet, Atomkraft sei sicher?

Die größte Erfahrung mit Fracking hat man im US-Bundesstaat Pennsylvania. Dort treten auch seit einiger Zeit Gesundheitsschäden bei Mensch und Tier auf. Doch darüber reden die Menschen nicht, aus Angst. Sauberes Brunnenwasser wurde kontaminiert. Entlarvend ist auch das als Act 13 bekannte Gesetz, welches Ärzten untersagt, den Patienten über eine auf das Fracking zurückgehende Erkrankung aufzuklären.

Act 13

Der Dokumentarfilmer Lech Kowalski ging in Pennsylvania und in Polen auf Spurensuche in Sachen Fracking. Hier seine Dokumentation „Gas-Fieber“.

Gas-Fieber Doku über die verheerenden Auswirkungen von Fracking und der Widerstand dagegen from Fred Kaier on Vimeo.



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