Auf´s falsche Pferd gesetzt 
Man ist auf der Pferderennbahn, hat sich durch diverse Fachpublikationen und interne Tipps schlaugemacht, wer denn das nächste Rennen gewinnen wird. Man geht zum Totalisator, setzt 100 Euro auf den vermeintlichen Sieger. Und verliert. Das Pferd, auf welches man gesetzt hatte, nennt sich Sparprogramm. Dabei war Sparprogramm groß gehandelt worden, es schien unschlagbar zu sein.

In den Südländern der Euro-Zone zeigen die Sparprogramme endlich Wirkung. Nur nicht die, die erwartet wurde. Oder vielleicht doch? Eine Volkswirtschaft die spart, kann nicht aus dem Quark kommen. Die Defizite vergrößern sich. Dafür ist aber Sachvermögen (Immobilien, Grundstücke, gründstücksgleiche Rechte etc.) billig zu bekommen. Ist dies der wahre Grund für die Sparpakete? Möchte man dem darbenden Kapital ein Bonbon zukommen lassen? Dies ist bestimmt eine Verschwörungstheorie. Wenden wir uns der Realität in form von Zahlen zu.

Nachfolgend der Index für Auftragseingänge der deutschen Industrie. Index der Basis ist 2010 = 100.



Daten: EZB

Wie unschwer zu erkennen ist, geht es abwärts. Dieser Abwärtstrend hängt mit den Sparprogrammen in den Südländern der Eurozone zusammen. Der Trend wird sich in den nächsten Monaten wohl verstärkt fortsetzen. Nun könnte man sagen, naja, dann müssen wir unsere Produkte nicht mehr verschenken. Dies ist richtig. Richtig ist aber auch, das eine schrumpfende Volkswirtschaft ihre Schulden nicht bezahlen kann. Die Exporteure und deren Aktionäre haben ihren Schnitt gemacht, sie haben nichts verschenkt. Das Schuldenproblem in der Eurozone bleibt jedoch beim Bürger hängen.

Vielen ist noch immer nicht klar, das Exportweltmeister für eine Volkswirtschaft kein erstrebenswertes Ziel sein kann. Das begreift weder Merkel und ihre Gurkentruppe, noch der Normalbürger. Exportweltmeister ist, wer in der Summe gegenüber allen anderen Ländern auf diesem Globus mehr exportiert als importiert hat. Da Deutschland nicht mehr in der Gesamtheit seiner Exporte Exportweltmeister ist, aber der Begriff Weltmeister so schön klingt, greift man sich eine Sparte heraus, in der wir tatsächlich noch Exportweltmeister sind, den Maschinen- und Fahrzeugbau.

Für 2012 sieht das dann so aus:



Aber auch diese Weltmeisterschaft wird irgendwann enden. Nämlich dann, wenn China im Maschinenbau weiter aufholt. Am 06.06.2013 konnte man bei WELT-Online lesen:

Deutschland verliert rasant Marktanteile an China

Aufpassen, Deutschland! Eine Bertelsmann-Studie zeigt, wie die Exportbranche in vielen Märkten ins Hintertreffen gerät und von China übertrumpft wird. Schwach sind auch die neuen Konjunkturdaten.

China ist nicht nur ein wichtiger Kunde der deutschen Exporteure, sondern auch ein immer stärker werdender Konkurrent. "In den Industrieländern außerhalb Europas und mehr noch in den großen Schwellenländern verliert der Lieferant Deutschland rasant Marktanteile an China", heißt es in einer Studie von Prognos im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

"Selbst in deutschen Vorzeigebranchen wie dem Maschinenbau stellt China in wichtigen außereuropäischen Ländern bereits den größten Importanteil – und baut seinen Vorsprung gegenüber Deutschland weiter aus."

In den USA und Japan liege China inzwischen neben dem Maschinenbau und der Chemie auch in der Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik vor Deutschland.


WELT.de

China holt nicht nur im Maschinenbau rasant auf, sondern auch im Fahrzeugbau. Doch der Fahrzeugbau in China wird heute in Deuschland genauso belächelt, wie einst der japanische Fahrzeugbau ende der 70iger Jahre im letzten Jahrhundert.

Diese Haltung wird sich rächen. Autos kaufen keine Autos. Es wird schon länger auf Halde produziert. Die Binnennachfrage nach Neufahrzeugen in Deutschland, aber auch in der Eurozone, wird in den nächsten Jahren wohl dramatisch sinken.


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