Niedriglohnland Deutschland 
Mit Dumpinglöhnen hat Deutschland erheblich zur Krise in den Euroländern beigetragen. 2010 waren 4,7 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor beschäftigt.

Als Niedriglohnempfänger gelten diejenigen Arbeitnehmer, deren Bruttostundenverdienst zwei Drittel oder weniger des nationalen Medianverdienstes beträgt. Folglich sind die Schwellen, die bestimmen, ob ein Arbeitnehmer als Niedriglohnempfänger gilt, vor dem nationalen Hintergrund festgelegt und spezifisch für jeden Mitgliedstaat.

Die Niedriglohnschwelle (zwei Drittel des Medians, Vollzeit, brutto) lag in 2010 bei 1.802 Euro/Monat. Die Berechnungen des Statistischen Bundesamt zu der Anzahl der im Niedriglohnbereich tätigen ist nur als Mindestzahl zu werten. Nicht einbezogen werden Arbeitskräfte der Land- und Forstwirtschaft, der Fischerei sowie im Haushalt beschäftigte Personen; dies gilt ebenso für alle Beschäftigten in Betrieben mit weniger als10 Arbeitnehmern; dies sind Sektoren mit einem meist überdurchschnittlich hohen Anteil von Niedriglohnbeschäftigten.

Folgende Grafik zeigt zwar Deutschland auf Platz 7 in Europa, in der Rangliste der prozentualen Verteilung des Niedriglohnanteils an den Beschäftigten, Zahlenmässig blegt Deutschland jedoch Platz 1.



Entwicklung der sozialversicherten Vollzeitbeschäftigung insgesamt und der Niedriglohnempfänger 1999-2010; 1999 = 100



Diese unheilvolle Entwicklung hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme. Niedriglöhner werden Altersarme. Dieser Entwicklung kann nur mit einem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn entgegengewirkt werden.

Legt man den vom Bundesarbeitsministerium ermittelten Verdienst von 2.500 € zugrunde, bei dem auch bei langjähriger Erwerbstätigkeit eine Rente auf Sozialhilfeniveau droht, verdienten bundesweit 43,5 % aller sozialversicherten Vollzeitbeschäftigten (ohne Auszubildende) weniger als 2.500 € im Monat. In 2010 gab es 27.6 Millionen sozialversichungspflichtig Beschäftigte. Das bedeutet, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über 12 Millionen Arbeitnehmer in Altersarmut fallen werden. Hinzu kommen noch zahlreiche Selbständige und andere Kleingewerbler, die Mangels Einkommen nicht privat vorsorgen können, oftmals nicht mal über eine Krankenversicherung verfügen.

Hier bahnt sich ein Debakel an. Selbst wenn man sofort einen gesetzlichen Mindestlohn von 12 Euro einführen würde, käme er für zahlreiche Arbeitnehmer zu spät. Doch ein Mindestlohn allein reicht nicht um durch die gestiegene Massenkaufkraft die Massenarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Die Arbeitszeit muss verkürzt werden, die Rente mit 67 abgeschafft, die Rentenkürzungen zurückgenommen und die Beitragsbemessungsgrenze aufgehoben werden.

Maßnahmen also, die schon seit Jahren fällig wären, aber von den politisch Verantwortlichen gescheut werden wie der Teufel das Weihwasser.

(Grafiken: boecklerimpuls, DGB)

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