Exportwahn führt zu verlorenen Überschüssen 
Nicht nur wegen der Finanzkrise haben deutsche Auslandsvermögen stark an Wert verloren. Das liegt auch daran, das deutsche Vermögen in den vergangenen 40 Jahren im Ausland schlechter verzinst wurden als ausländisches in Deutschland.

Seit den 1970er-Jahren verzeichnet die deutsche Volkswirtschaft fast durchgängig Überschüsse in ihrer Leistungsbilanz. In den vergangenen zehn Jahren waren sie besonders hoch, lagen im Durchschnitt bei 5,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Sorgt Deutschland mit seiner alternden Bevölkerung für die Zukunft vor, indem es hohe Vermögen im Ausland bildet? Mit dieser Frage haben sich IMK-Forscher Fabian Lindner, Erik Klär vom Bundesarbeitsministerium und Kenan Šehovic´ vom Thüringer Wirtschaftsministerium eingehend beschäftigt.* Sie analysierten dazu Daten zur Entwicklung des deutschen Nettoauslandsvermögens. Das ist die Differenz zwischen den Forderungen der Inländer gegenüber dem Ausland und jenen der Ausländer gegenüber dem Inland. Ergebnis: Zwar wuchs das Nettoauslandsvermögen seit 1999 enorm, von rund 7 Milliarden auf 1.013 Milliarden Euro bis zum dritten Quartal 2012.



Der Leistungsbilanzüberschuss jedoch – die treibende Kraft hinter dem Aufbau von Auslandsvermögen – summierte sich im selben Zeitraum auf 1.275 Milliarden Euro. Zusammen mit dem bereits vorhandenen Nettoauslandsvermögen von 7 Milliarden Euro hätten die Deutschen also netto Forderungen in Höhe von 1.282 Milliarden Euro anhäufen müssen – ein Unterschied von 269 Milliarden Euro oder 21 Prozent. „Das starke Ausmaß der Verluste ist vor allem auf die internationale Finanzkrise ab 2007 zurückzuführen“, erläutern die Autoren. Ungeachtet der „historischen Größenordnung der Einbußen“ habe jedoch auch schon seit den 1970er-Jahren der Wertverlust gemittelt bei gut 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung gelegen. Zudem habe die durchschnittliche Verzinsung deutscher Vermögenswerte im Ausland langfristig nicht über, sondern unter der inländischer Finanzanlagen im Besitz von Ausländern gelegen, so die Forscher. Im Rückblick auf die vergangenen vier Jahrzehnte stelle die Anhäufung finanzieller Forderungen gegenüber dem Rest der Welt somit eine beträchtliche Fehlleitung von Ressourcen dar.

(Quelle: Hans-Böckler-Stiftung)

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Vor allem die verschuldeten Euroländer haben ihre Importe aus Deutschland mit Krediten bezahlt. Diese Krediten bekamen sie von Banken, auch von deutschen. Diese Kredite wurden notleidend, daher wurden Bankenrettungspakete geschnürt, nicht nur für deutsche. Während die deutsche Exportindustrie ihren Schnitt gemacht hat, haftet nun der Steuerbürger in Deutschland für diese Rettungspakete (mit). Oder um es einfacher zu formulieren: Der Steuerbürger in Deutschland bürgt und haftet für die Schulden, die sich bei der Exportwirtschaft als Gewinne niedergeschlagen haben.

Das Fundament dieses Geschäftsmodells hat nicht nur Risse bekommen, es bröckelt. Dieses Bröckeln wird durch die verordneten Sparpakete noch verstärkt. Dies scheint man in Brüssel nun eingesehen zu haben. Doch auch Schuldenmachen ist auf Dauer keine Lösung, es bewirkt nur eine Linderung der Krise, die dann doch irgendwann zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft und des Finanzsystems führt. Das Problem wird nicht gelöst, nur zeitmässig nach hinten geschoben. Lösungsansätze für dieses Problem schießen wie Pilze aus dem Boden. Viele dieser Lösungsansätze wollen sich an der Tatsache vorbei mogeln, dass nur eine Schuldenvernichtung, also Vermögensvernichtung, uns vor einem Systemkollaps retten kann. Dirk Müller hat dazu in seinem neuen Buch "Showdown" einen interessanten Vorschlag gemacht. Zu diesem in einem der nächsten Beiträge mehr.


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