Die Armut in deutschen Metropolen 
Seit dem geschönten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der nur wegen der Schönung in den Medien auf ein größeres Interesse gestoßen ist, überschlagen sich die etablierten Parteien vor der Bundestagswahl mit Lösungsvorschlägen. Verschwiegen wird, dass die Armut Ergebnis einer seit Jahrzehnten verfehlten Finanz-, Steuer-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik ist. An Warnern hat es nicht gemangelt.

Doch die politische Klasse hat diese Warnungen ignoriert und sich von neoliberalen Einflüsterern den Weg weisen lassen. Noch wird von Politikern die Altersarmut als Randproblem bezeichnet, was sie jedoch keineswegs ist. Die heutigen Armen werden die Altersarmen von morgen sein.

Dazu werden sich auch jene gesellen, die, nach Frau von der Leyen, über 35 Jahre 2.500 Euro brutto verdient haben und mit diesem Verdienst (ca. 14,50 Euro/Std.) nicht zu den Armen zählen, weil deren Rente kaum höher als die Grundsicherung ausfallen wird.

Damit wird deutlich, dass auch mit einem Mindestlohn von 10 Euro Altersarmut vorprogrammiert ist. Die seit Jahren betriebene Rentenkürzung (ist der absurden Forderung der Arbeitgeber nach Senkung der Lohnnebenkosten geschuldet), die Heraufsetzung des Renteneintrittalters auf 67 Jahre (inzwischen gibt es schon Forderungen von Think Tanks nach Rente erst mit 69 Jahren) und der Kleinigkeit, dass für Bezieher von Arbeitslosengeld II seit 1. Januar 2011 keine Pflichtbeiträge mehr in die Rentenversicherung gezahlt werden, wird Altersarmut an Problemschwere das der Massenarbeitslosigkeit weit übertreffen.

Armut wird ein Problem für Metropolen werden

Ist Armut ab eines bestimmten Ausmaßes an sich schon ein Problem für eine Gesellschaft, welches dringend einer Lösung bedarf, stellt auch die Gruppe derjenigen die an der so genannten Armutsgefährdungsschwelle (Personen, die mit weniger als 60% des mittleren Einkommens (Median) der Gesamtbevölkerung auskommen müssen) ein erhebliches Problem dar.

Diese als relative Einkommensarmut bezeichnete wirtschaftliche Lage Betroffener steigt in Metropolen schneller als im übrigen Bundesgebiet.

Armut in den deutschen Großstädten 2011



Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Bundesagentur für Arbeit

Mit Ausnahme von Hamburg und München, weisen alle anderen Städte eine höhere Armutsgefährdung auf als der Bundesdurchschnitt. Besonders dramatisch ist die Entwicklung der im Ruhrgebiet liegenden Städte.

Entwicklung der Armutsquoten 2005 – 2011



In 2011 warnte der Paritätische Gesamtverband vor sozialen Unruhen im Ruhrgebiet. Armut ist nicht nur der Nährboden für Konflikte, er ist auch Nährboden für Obdachlosigkeit und, bei uns noch kein Thema, Slumbildung. Nach Angaben der Nationalen Armutskonferenz (http://nationalearmutskonferenz.de/ ) ist besonders die Gruppe der zwischen 20 und 45 Jährigen von Armut betroffen.

Hier entsteht eine kritische Masse an Unzufriedenheit, die aber von der politischen Klasse nicht wahrgenommen wird, ja, man kann sogar zu dem Schluss kommen, das dies politisch gewollt ist. Die Politik, in den für die Gesellschaft relevanten Bereichen, der letzten 30 Jahre kann nur als verheerend bezeichnet werden.

Eine immer stärker gewordene Verzahnung von Politik und Wirtschaft stellt nicht mehr die Menschen im Mittelpunkt des politischen Handelns, sondern das Interesse der Wirtschaft, sprich, des Kapitals. Deregulierung, Privatisierung und der Abbau des Sozialstaates werden aber bei den Menschen markante Spuren hinterlassen, Spuren, auf die die Menschen reagieren werden.

Schon lange sind die Verwerfungen in unserer Gesellschaft nicht zu übersehen. Tafeln sprießen wie Pilze aus dem Boden, ebenso Sozialkaufhäuser. Rentner, die anstatt ihren Lebensabend zu genießen, Zeitungen austragen oder Pfandflaschensammeln zu ihrem Hobby gemacht haben. Oftmals nur, um nicht „aufs Amt“ gehen zu müssen.

Viel rosiger sieht die Zukunft der heutigen Generation auch nicht aus. Deutschland steht vor einer Wende. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

Armut und psychische Erkrankungen

Armut macht krank. Nicht nur physisch sondern auch psychisch. Das geringe Einkommen macht sich bei den Gesundheitskosten wieder bemerkbar. Diese Kosten trägt die Gesellschaft. Eine von 1994 – 2000 an 34.000 Probanten durchgeführte Studie kommt zu dem Schluss, das Armut Depression und Schizophrenie fördert.

Does having a low socioeconomic status (SES) lead to depression or does depression lead a person into poverty? According to a study that examined a database of 34,000 patients with two or more psychiatric hospitalizations in Massachusetts during 1994-2000, unemployment, poverty and housing unaffordability were correlated with a risk of mental illness. This finding is reported on in the current issue of the American Journal of Orthopsychiatry, published by the American Psychological Association (APA).

APA

Interessanterweise treten diese Erkrankungen gehäuft auch bei den sogenannten Besserverdienern und Reichen auf. Bei einer Gesellschaft, die sich überwiegend über Arbeit definiert, kein verwunderlicher Befund. Wie Studien belegen, ist die Selbstmordrate bei Armen und Erwerbslosen etwa 20 mal höher als bei Erwerbstätigen mit gutem Einkommen.

Die Einnahme von Depressiva liegt etwa 8 mal höher. Auch die Gefahr in Drogenabhängigkeit zu geraten sind 5 mal größer. Abgesehen von dem Leid, das den Menschen mit „strukturbedingter“ Armut angetan wird und welches sich nicht in Zahlen ausdrücken lässt, kommen volkswirtschaftlich noch enorme Kosten auf die Sozialversicherungsträger zu.

Arme Kinder, arme Erwachsene

Noch gibt es keine Studie, die belegen kann, das arme Kinder auch arme Erwachsene werden. Dazu ist die Datenbasis noch zu dünn. Doch erste Anzeichen gibt es. In Armut aufwachsende Kinder sind in vielen Bereichen benachteiligt. Das wirkt sich, noch mehr als bei Erwachsenen, auf die Psyche aus. Offiziell gibt es 2,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren die in Armut aufwachsen. Schon jetzt spricht man von der „No Future Generation“. Diese Kinder werden es sein, wenn kein Umdenken geschieht, die, möglicherweise mit Gewalt, einen Ausweg suchen werden, weil sie von den Eltern vorgelebt bekommen haben, das Passivität die Situation nur verschlechtert. In 8 – 10 Jahren werden wir mehr wissen. Die Bombe tickt.

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